Yoga, Esoterik und Spiritualität

Als zweites von vier Kindern wurde ich 1951 in den Niederlanden geboren, wo ich auch meine Jugend verbrachte. Obwohl ich im Jahr 1976 das Abitur und eine abgeschlossene Ausbildung als Bautischler in der Tasche hatte, wusste ich überhaupt nicht, was ich beruflich machen wollte. Ich entschied mich dem Trend der Zeit zu folgen und nach Indien zu reisen. Dort hoffte ich in einem Ashram einen Guru zu finden, der mich als Schüler annehmen würde. Mein Interesse für Spiritualität war groß: Ich hatte die wichtigsten esoterischen Bücher gelesen, sehr intensiv Hatha-Yoga geübt und fühlte mich zum supramentalen Yoga von Sri Aurobindo stark hingezogen.

Die Suche nach einem spirituellen Meister in Indien

Nach einer längeren Aufenthalt in Griechenland und einer unbequemen Reise durch die Türkei, den Iran und Pakistan, erreichte ich schließlich die Stadt Amritsar in Indien. Ich reiste weiter in das Himalaja-Gebirge und kehrte – gerade rechtzeitig vor Einbruch des Winters – zurück in das flache Land. Jetzt begann die Suche nach einem spirituellen Meister. Mit dem Zug fuhr ich zum nächsten mir bekannten Ashram und hatte dort großes Glück: Viele Anwärter mussten wochenlang warten, bis sie zugelassen wurden, aber ich erhielt nach einem Gespräch mit dem Verwaltungsleiter die Erlaubnis, schon am nächsten Tag zurückzukommen und einer Sitzung mit dem Meister beizuwohnen. Am nächsten Tag stieg ich jedoch in einen Zug und reiste weiter zum nächsten Ashram. Auch dort hätte ich bleiben können, aber statt dessen buchte ich in einer der indischen Großstädten ein Zimmer in einem Billighotel. Warum ich nicht geblieben war, wusste ich selbst nicht.

Der heilige Mann im Tempel

Eine Woche später trank ich mit einigen Indern abends Tee in einem Teehaus. Einer von ihnen, ein ehemaliger Offizier, erzählte mir, dass er Unterschriften gegen bestimmte Gurus sammle, die den Westen bereisten und die, wie er betonte, schlicht und einfach Betrüger seien. Vor diesen Gurus habe er keinen Respekt. Wohl aber vor dem alten Mann, der auf dem Grundstück nebenan in einem kleinen Tempel wohne und der hier in der Gegend als heilig gelte. Neugierig geworden, da ich noch nie einen Heiligen zu Gesicht bekommen hatte, ließ ich während des weiteren Gesprächs meinen Blick von Zeit zu Zeit auf das Gebäude in der Nähe, das ein Tempel sein sollte, fallen. Bei Einbruch der Dunkelheit erschien ein kleiner Mann in einem orangefarbenen Gewand, setzte sich an unseren Tisch und trank Tee mit uns. Er war sehr alt, hatte graue, struppige Haare und einen großen Bart. Statt, wie ich erwartete, erhabene Worte von sich zu geben, redete er über belanglose Dinge, genoss seinen Tee und lächelte die meiste Zeit. Nach einer halben Stunde verschwand er wieder in seinem Tempel und ließ mich zurück mit dem Gedanken »Was soll an diesem Mann denn heilig sein?«

Meine Erfahrung mit der universellen Einheit Om (Aum)

Als ich am nächsten Morgen in meinem Hotel aufwachte, versuchte ich mir den vorigen Abend in Erinnerung zu rufen. Mir wurde klar, dass ich, kurz nachdem der alte Mann weggegangen war, die universelle Einheit (Om) erfahren hatte, wobei ich mir nur noch den Anfang dieser gewaltigen Erfahrung vergegenwärtigen konnte. Weiter erinnerte ich mich, nach meiner »Rückkehr aus der Einheit« in den Tempel gegangen zu sein und lange mit dem alten Mann gesprochen zu haben. Aber worüber wir gesprochen haben, wusste ich nicht mehr. Das Einzige, woran ich mich erinnerte war sein letzter Satz. Als mich später am Tag Gäste, die mich kannten, im Hotel begrüßten, machte ich eine sehr unangenehme Entdeckung: Ich konnte nicht sprechen! Denken konnte ich schon, aber es war mir unmöglich meine Gedanken in Worte umzuwandeln. Dieser frustrierende Zustand hielt drei Tage lang an. Meine Bekannten im Hotel wussten nicht warum ich nicht sprechen konnte und ich konnte es ihnen nicht erklären.

Der Ernst des Lebens

Drei Monate später war ich wieder in Griechenland, 58 Kilo schwer. Wie die meisten Europäer, die aus Indien zurückkamen, war auch ich an einer Darminfektion erkrankt. Einige Jahre danach heiratete ich in Deutschland. Meine Frau und ich haben vier Kinder. Mit dem ersten Kind fing für mich der »Ernst des Lebens« an: Spiritualität schön und gut, jetzt hieß es aber Geld verdienen. Sieben Jahre arbeitete ich als Grafiker und Illustrator, danach 18 Jahre als Zauberkünstler.

Das dreiteilige Meistersymbol der Alchemie

Seit meiner Rückkehr aus Indien 1977 habe ich die verschiedensten esoterischen, spirituellen und ganzheitsmedizinischen Systeme studiert, um einen Universalschlüssel zu finden. Vor ungefähr 22 Jahren fand ich in einem Buch über christliche Mystik den ersten Teil dieses Schlüssels. Ich betätigte ihn aber nur ein einziges Mal, weil das Ergebnis ein regelrechter Schock war. Ich wusste damals nicht, was man dabei beachten sollte; auch fehlten mir die Teile zwei und drei, wodurch eine richtige Interpretation der Erfahrung nicht möglich war. Etwa zehn Jahre später entdeckte ich das dreiteilige Meistersymbol der Alchemie. Ich konnte einen seiner Teile als den mir schon bekannten Schlüsselteil identifizieren. Jetzt war es möglich, die Botschaft, die in der ersten Erfahrung enthalten war, zu entziffern. Mir fehlten nur noch die richtigen Techniken zur Aktivierung des zweiten und des dritten Teils. Ich fand sie schließlich durch die Analyse vieler mystischer Texte. Das Kennenlernen der drei Schlüsselteile, ihre Anwendung und schließlich ihre Beherrschung sind Teile eines Prozesses, den ich den hermetischen Weg nenne.

Der Weg der Bewusstseinserweiterung, Heilung und Transformation

Der hermetische Weg ist »der fünfte Weg«. Die uns schon bekannten Wege der Bewusstseinserweiterung sind: der esoterische, der mystische, der magische und der schamanische Weg. Der hermetische Weg enthält die spirituelle Essenz aller vier Wege und führt schnell zur Transformation und Heilung.

Ihr Peter Lambertus van Veen

Peter van Veen