Vor vielen Jahrtausenden schrieben die Rishis ihre Erkenntnisse aus der Akasha-Chronik auf Stechpalmblätter nieder. Es gibt zahlreiche Berichte im Internet über die Erfahrungen mit Lebensbüchern aus den mysteriösen Palmblattbibliotheken in Indien und Sri Lanka. Es ist ein Thema, das polarisiert: Während die Einen von wunderbaren Erfahrungen berichten, werfen Andere den Bibliotheken Betrug und Geldmacherei vor.

Wer sich auf die Suche nach dem eigenen Lebensbuch begibt, muss zuerst einen brahmanischen Priester aufsuchen, der für eine der vielen Palmblattbibliotheken zuständig ist. Wenn sie gut besucht ist, kann es mehrere Stunden dauern, bis das eigene Anliegen vorgetragen werden kann. Zur Auswahl steht oft die Lesung eines einzelnen Kapitels oder des gesamten Buches.

Berichten zufolge, kann der Brahmane mithilfe von zwei Daumabdrücken und dem Geburtsdatum beurteilen, ob sich das persönliche Buch in dieser oder in einer anderen Bibliothek befindet. In manchen Bibliotheken soll man zusätzlich noch Geburtsort oder Name, Adresse, Telefonnummer und Unterschrift hinterlassen. Obwohl das hierzulande eine ganz gewöhnliche Angabe ist, kommen hier bei manchen schon die ersten Zweifel.

Einige Tage später ist dann die Sitzung. Der Priester hat bis dahin alle eventuell passenden Übersichtsbücher herausgesucht, die nun nach und nach im Beisein eines Übersetzers durchgesehen werden. Es werden zahlreiche Fragen gestellt, die der Besucher mit “Ja” oder “Nein” beantworten soll. Mit diesem Auswahlverfahren werden immer mehr mögliche Blätter ausgeschlossen und das richtige Blatt schließlich gefunden. Anschließend wird das etwa 30 cm lange Palmblatt geholt und verlesen. Die Vergangenheit des Besuchers und Ereignisse, die ihn sehr geprägt haben, werden beleuchtet. Gegenwärtig ungenutzte Fähigkeiten aus vergangenen Leben und zukünftige Aufgaben können (wieder) entdeckt werden. Auch der weitere Verlauf von Gesundheit, Partnerschaft, Familie und Beruf können Thema sein. Es handelt sich hierbei allerdings nur um Möglichkeiten, wie unser Leben verlaufen könnte, wenn wir beispielsweise unser Potential anfangen zu nutzen.

Da die Palmblätter allerdings nur von einem in Pali geschulten Priester gelesen werden können, ist es sehr schwer zu kontrollieren, ob sie tatsächlich die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eines Menschen beschreiben oder, ob sie nur ein Requisit für eine gut ausgeklügelte Show sind.
Menschen, die nicht an die Wahrhaftigkeit der Palmblattbibliotheken glauben, bemängeln vor allem die ganzen Fragen, die vorweg gestellt werden. Dadurch hat der brahmanische Priester schon sehr viele Informationen über den Besucher und könnte daraus eine schlüssige Analyse vortragen. Allerdings werden – so berichten viele – während der Sitzung keinerlei Notizen gemacht, sondern lediglich einzelne Passagen eingekreist, um das richtige Blatt zu finden.

Anderen Texten zufolge, hätte der Brahmane die von ihm detailliert beschriebenen Ereignisse gar nicht wissen können, weil sie vorher nicht ansatzweise erwähnt wurden. Auch wurden die Namen der Eltern mit der exakten Schreibweise genau genannt und Beruf, sowie weitere Tätigkeiten vom Priester genau beschrieben. Es wird aber auch berichtet, einige Namen wichen von den tatsächlichen Namen der nahestehenden Personen des Gastes ab.

Berücksichtigen wir, dass Indien ein sehr mysteriöses Land ist, gibt es möglicherweise noch ganz andere Erklärungen. So könnten materialistisch orientierte Menschen, die handfeste Beweise für die Existenz unerklärlicher Phänomene suchen, eher von einer Bibliothek angezogen werden, die sehr stark den Eindruck einer Illusion vermittelt. Spirituelle Menschen, die wirklich bereit sind, die zweite Wirklichkeit auch im normalen Leben zu erfahren, würden sich intuitiv eher für die richtige Bibliothek entscheiden. Passend dazu sind viele Menschen der Ansicht, dass der Suchende erst zu seinem Selbst gefunden haben muss, um eine solche Erfahrung wirklich begreifen zu können.

Auch könnte das Palmblatt als eine Art Requisit dienen, um das Lesen in der Akasha-Chronik etwas “weltlicher” zu machen, damit es auch von weniger spirituellen Menschen leichter angenommen werden kann.

Quellenangaben für verwendete Bilder:  © nilanewsom / Fotolia

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